Blog 1: Das Problem mit dem Problem

Vom förderlichen und hemmenden Umgang mit Problemen und Herausforderungen

Probleme sind allgegenwärtig und wir finden sie in allen möglichen Bereichen: In der Arbeit, im Privatleben, in der Technik, in unseren Beziehungen, in der Kommunikation… Sie können uns als Individuen betreffen oder uns als Menschengemeinschaft. Unser Alltag ist mehr oder weniger voll davon. Jeder kennt sie, jeder hat welche.

Oft wollen wir sie so schnell wie möglich los werden oder lösen. Oft halten wir sie aber auch fest. Wir kämpfen gegen sie an, laufen vor ihnen weg oder wir stellen uns tot.

Aber, was ist überhaupt ein „Problem“?

Wenn Sie das Wort hören, woran denken Sie dann? Welchen Beigeschmack hat es? Wie definieren Sie das Phänomen „Problem“? Und überhaupt: Was bezeichnen Sie als „Problem“? Oder verwenden Sie ein ganz anderes Wort?

Aber eigentlich ist das Wort ganz schön praktisch: Es lässt sich auf unzählige Bereiche und Situationen anwenden und ist vielseitig kombinierbar. Ein paar Beispiele:  Alkoholproblem, Gesundheitsproblem, Zeitproblem, Luxusproblem, Problemlösungskompetenz, Problembewusstsein, Problemverhalten usw. Das Wort gibt es in vielen Sprachen und jeder hat gleich eine Idee, was damit gemeint sein könnte.

Wortbedeutung und Definition

Wenn ich mir selbst eine Definition überlege, komme ich auf folgende Aspekte: Für mich ist ein Problem eine Situation, die unangenehm ist und negative Gefühle auslöst. Diese geben mir den Hinweis auf eine Sachlage, die, so wie sie ist, nicht in Ordnung ist und die verändert, also – in Ordnung gebracht – werden muss, damit das Unangenehme verschwindet und ich mich wieder angenehmeren Dingen zuwenden kann.

Im Wictionary erfahre ich, dass das Wort vom griechischen Wort „próblema“ kommt und ursprünglich „Aufgabe“, „Streitfrage“ bedeutete. Gemeint ist eine Streitfrage in der Wissenschaft, „die zur Lösung vorgelegt wurde“.

Wikipädia definiert das Wort Problem als „eine Aufgabe oder Streitfrage, deren Lösung mit Schwierigkeiten verbunden ist.“

Synonyme

Als Synonyme finde ich: „Frage“, „Komplikation“, „Angelegenheit“, „Fall“, „Aufgabenstellung“, „Thema“, „Schwierigkeit“, „Belastung“, „Katastrophe“ oder natürlich „Herausforderung“.

Bei all diesen Wörtern schwingen eigene Konnotationen und Sichtweisen mit. Interessant, wie sich durch eine andere Benennung (und somit Bewertung und Einschätzung) eine bestimmte Sachlage ziemlich verändern kann!

Was wir mit Problemen machen

Eine lange Reihe von Verben und Redewendungen gibt Aufschluss darüber, was Probleme mit uns machen und was wir mit ihnen machen. Sie können uns über den Kopf wachsen, uns den Schlaf rauben, uns lahm legen, überwältigen, bedrücken, zu schaffen machen, herausfordern etc. Was aber machen wir mit ihnen, wie können wir mit ihnen umgehen? Hier ein paar Beispiele:

  • analysieren, anerkennen, würdigen, darüber stehen, verstehen, auf sie hinweisen, sie beim Namen nennen (Ja!!!), sich mit ihnen identifizieren („Ich bin nun einmal unbegabt/unordentlich/schlecht in Physik.“)…
  • machen, heraufbeschwören, aufbauschen, verschlimmern, verstärken, groß werden lassen, schüren…
  • verharmlosen, kleinreden, sich davon distanzieren…
  • ignorieren, verdrängen, darüber hinweggehen, darüber hinwegsehen, im Keim ersticken, zurückweisen („Damit habe ich kein Problem.“ „Das ist nicht mein Problem!“)…
  • lösen, nutzen, proaktiv anpacken, wälzen, loslassen, bewältigen…

Wir können etwas als „problematisch“ oder „unproblematisch“ einschätzen.

Und wir können von Problemen nützliche Fragen ableiten:

  • Wo ist hier – eigentlich – das Problem?
  • Auf welches ungestillte (Grund)Bedürfnis weist es hin? Beispielsweise wenn ein Mensch oder ein Körperteil Probleme macht?
  • Welche Botschaft hat das Problem und welche Schlussfolgerungen ziehe ich?
  • Was ist mein Anteil? Bin ich Teil der Lösung/Will ich überhaupt Teil der Lösung sein und auch (einen Teil der) Verantwortung übernehmen? Welcher Beitrag könnte meiner sein? Oder sehe ich mich machtlos?

Eine „Lösung“ bitte

Ich komme zum Fazit, dass es tatsächlich Haltungen gibt, die mir im Umgang mit Problemen dienlicher sein können als andere und dass ich dafür – zumindest eine gewisse – Wahl- und Entscheidungsfreiheit habe:

  • Akzeptanz versus Widerstand
  • Bezeichnung „Thema/Frage/Herausforderung“ versus „Problem/Katastrophe“. (Natürlich nicht immer. Manchmal ist einem nach Drama. Man kann aber in Erwägung ziehen, mit verschiedenen Bezeichnungen zu spielen und beobachten, was das mit einem macht.)
  • Lösungsorientierung versus Problemtrance
  • „meines“ versus „deines“ versus „unseres“
  • Hinschauen! Anerkennung als Problem. JA! Anerkennung als EIN Teil meines Lebens bzw. EINEM Anteil von mir versus Identifikation mit meiner ganzen Person und meinem ganzen Leben
  • Einladung/Aufforderung versus Resignation/Schicksalsergebenheit/Opferhaltung
  • proaktives Handeln versus Passivität und Schuldzuweisungen
  • Neugier und Forschergeist versus Ablehnung und Ignorieren

Förderlich finde ich auch Fragen wie diese:

  • Was/Wer wäre ich ohne das Problem? Wie würde ich dann leben, denken, handeln? Was wäre dann (nicht mehr) möglich?
  • Was habe ich von meinem Problem? Welchen Nutzen, welchen Schaden? (Ich gebe zu, die Frage nach dem Nutzen ist sehr unangenehm.)
  • Welche kurz- und langfristigen Folgen sind absehbar, wenn ich mich nicht mit dem Problem auseinander setze?
  • Was wünsche ich mir statt dem Problem? Kann ich mir das vorstellen?
  • Ist das überhaupt ein „Problem“?/Ist das wirklich ein Problem?/Könnte ich es auch anders sehen?
  • Wozu fordert mich das Problem auf oder heraus? Welche Entwicklungseinladung leite ich für mich ab?

Es gehört zum Leben, dass wir mit Problemen konfrontiert werden. Wir sind aufgefordert „Probleme“ zu „lösen“ und an Herausforderungen zu wachsen. Wir entwickeln dazu Vermeidungs- und Bewältigungsstrategien und viele individuelle Lösungskompetenzen. Wenn wir nicht weiter wissen, müssen oder dürfen wir kreativ werden. Gerne begleite ich Sie dabei.

Ich wünsche Ihnen einen förderlichen und kreativen Umgang mit Ihren Themen, Fragen und Belastungen. Vor allem wünsche ich Ihnen auch, dass Sie sich Ihrer Wahl- und Einstellungsmöglichkeiten bewusst sind.

Welchen förderlichen Umgang mit Problemen haben Sie gefunden? Vielleicht wollen Sie hier Erfahrungen teilen.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Flashcards rund

Ich bringe sozial oder pädagogisch engagierte Menschen in Verbindung mit ihrer Schöpferkraft und WesensART, damit sie nicht ausbrennen und ihre Gestaltungsmöglichkeiten in allen Lebensbereichen wahrnehmen.
Hier erfahren Sie mehr über mich und meine Angebote der Maltherapie, des Resilienztrainings und SuperVISION.

Maltherapie Blume Magenta

4 kreative Impulse

  • für eine gute Verbindung zu sich selbst,
  • mehr Resilienz und
  • mehr Kraft im Alltag
Weitere Beiträge finden Sie hier.
Blog 4: Jeder Mensch ein Künstler?

Blog 4: Jeder Mensch ein Künstler?

Von unserer Kraftquelle der Kreativität, die uns Flow erleben lässt und uns lebendig macht. „Jeder Mensch ist ein Künstler, ob er nun bei der Müllabfuhr ist, Krankenpfleger, Arzt, Ingenieur oder Landwirt.“ So wird der deutsche Aktionskünstler und Professor an der...

Blog 3: Der Horror vor dem weißen Blatt

Blog 3: Der Horror vor dem weißen Blatt

Von Blockaden beim Malen und Schreiben, von Hemmungen und unserer Abhängigkeit vom Feedback anderer Vielleicht wollen Sie gern malen oder zeichnen, aber es geht einfach nicht. Sie sind ja so unbegabt, so... Sie können das einfach nicht. Oder Sie würden gern schreiben....

Blog 2: Vergnügungen

Blog 2: Vergnügungen

Wie wir unsere Gefühle beeinflussen können indem wie unseren Fokus auf gehobene Gefühle richten. Wie wir Selbstwirksamkeit durch gerichtete Aufmersamkeit erfahren.   Kennen Sie Bertold Brechts (1898 – 1956) Gedicht „Vergnügungen“? Der deutsche Dramatiker und...